Ein bahnbrechender diagnostischer Test, der von Forschern der University of Reading, der University of Southampton und des Hampshire Hospitals NHS Foundation Trust entwickelt wurde, verspricht, die Behandlung von Harnwegsinfektionen (HWI) drastisch zu beschleunigen. Mit der neuen Methode kann die Wirksamkeit von Antibiotika in weniger als sechs Stunden bestimmt werden, verglichen mit der derzeitigen Wartezeit von zwei bis drei Tagen für Standardlaboranalysen. Bei diesem Fortschritt geht es nicht nur um Bequemlichkeit; Es geht darum, Antibiotikaresistenzen zu bekämpfen und schwere Komplikationen zu verhindern.
Das Problem mit der verzögerten Harnwegsinfektionsdiagnose
Harnwegsinfektionen kommen unglaublich häufig vor und führten in den letzten fünf Jahren allein in England zu über 800.000 Krankenhauseinweisungen. Entscheidend ist, dass etwa 25 % der in NHS-Laboren getesteten Urinproben Bakterien erkennen lassen, die gegen gängige Antibiotika resistent sind. Die derzeitige Verzögerung bei der Diagnose führt häufig dazu, dass Patienten entweder eine wirkungslose Antibiotikakur beenden oder das Risiko eingehen, dass ihre Infektion zu einer potenziell lebensbedrohlichen Sepsis eskaliert.
Dabei geht es nicht nur um das Unbehagen des Patienten; Es geht um die sich beschleunigende Krise der Antibiotikaresistenz. Eine ineffiziente Behandlung führt zu einem übermäßigen Einsatz von Antibiotika, was wiederum die Entwicklung resistenter Stämme begünstigt.
So funktioniert der neue Test: Direkte Analyse für schnelle Ergebnisse
Die neue Methode umgeht den traditionellen Kultivierungsprozess über Nacht, der die Hauptursache für Verzögerungen darstellt. Stattdessen verwendet der Test eine Kartusche, die vorinstallierte Antibiotika enthält. Die Kartusche wird direkt in die Urinprobe eingeführt und ein Instrument verwendet optische Bildgebung, um das Bakterienwachstum zu überwachen.
- Wenn Bakterien in einem Röhrchen nicht mehr wachsen, ist das entsprechende Antibiotikum wirksam.
- Hält das Wachstum an, ist das Antibiotikum unwirksam.
Dieser optimierte Prozess liefert Ärzten in weniger als sechs Stunden umsetzbare Ergebnisse und ermöglicht so eine gezielte Behandlung von Anfang an.
Validierung und Genauigkeit: 97 % Übereinstimmung mit Standardmethoden
Die Genauigkeit des Tests wurde in einer am 31. März im Journal of Antimicrobial Chemotherapy veröffentlichten Studie eingehend validiert. Die Forscher analysierten 352 Urinproben und stellten bei sieben häufig verwendeten Antibiotika eine 96,95-prozentige Übereinstimmung mit Standardlabormethoden fest.
Ein separates Experiment mit 90 Doppelproben bestätigte, dass der Test auch dann genau bleibt, wenn mit Borsäure konservierte Urinproben verwendet werden – eine Standardpraxis in klinischen Umgebungen. Das Konservierungsmittel zeigte 98,75 % Übereinstimmung bei den Ergebnissen, was bedeutet, dass es den Diagnoseprozess nicht beeinträchtigt. Dies ist die erste Studie, die dieses Maß an Konsistenz für Schnelltests direkt aus dem Urin nachweist.
Industrie- und NHS-Unterstützung: Skalierung für reale Auswirkungen
Der Test wird von Astratus Limited, einem Spin-out-Unternehmen der University of Reading, kommerzialisiert. CEO Dr. Oliver Hancox betont die Dringlichkeit: „Bis das Labor das Ergebnis nach den derzeitigen Methoden liefert, kann es sein, dass ein Patient seine Antibiotika bereits aufgebraucht hat oder Antibiotika erhalten hat, die nicht wirken.“
Das National Institute for Health and Care Research (NIHR) finanzierte die Forschung, und Professor Mike Lewis, wissenschaftlicher Direktor für Innovation des NIHR, betonte die umfassenderen Auswirkungen: „Diese vom NIHR finanzierte Forschung hat nicht nur das Potenzial, schnellere und wirksamere Behandlungen zu liefern …, sondern geht auch die umfassendere Herausforderung der antimikrobiellen Resistenz an.“
Angesichts der Tatsache, dass allein im Vereinigten Königreich jährlich rund 65 Millionen Urinproben analysiert werden, ist die potenzielle Auswirkung dieser schnelleren und genaueren Diagnosemethode erheblich.
„Ein Test, der mit Proben funktioniert, die wir bereits standardmäßig sammeln, und der uns noch am selben Tag Antworten liefert, ist genau die Art von Werkzeug, das die Art und Weise, wie wir mit diesen Infektionen in der Praxis umgehen, verändern könnte.“ – Professor Matthew Inada-Kim, beratender Akutarzt und AMR-Leiter.
Der Urin-Schnelltest stellt einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Harnwegsinfektionsbehandlung und zur Bekämpfung der globalen Bedrohung durch Antibiotikaresistenzen dar.

































